Im Atrium des Gymnasiums Eltville starren Schülerinnen und Schüler gebannt auf eine Leinwand. Mit eindringlichen Bildern und großer emotionaler Kraft erzählt das Antikriegsstück „Im Norden von Bellikö“ die Geschichte eines jungen Paares, das durch einen Krieg auseinandergerissen wird. Im Mittelpunkt stehen ein Mann, der überzeugt an die Front zieht, und eine Frau, die mit ihrem ungeborenen Kind zurückbleibt. Was zunächst wie ein kurzer Militäreinsatz erscheint, entwickelt sich zu einem grausamen, endlosen Krieg, in dem der Soldat zunehmend seine Menschlichkeit bedroht sieht. „Aufstehen… Schweigen… Zuhören… Kameradschaft… Soldat ist ein wichtiger Beruf“, heißt es zu Beginn. Doch bald folgt die verzweifelte Erkenntnis: „Ich will mein Leben zurück! Nicht täglich Befehle ausführen, nicht täglich alles kaputtmachen müssen, mein Menschsein verlieren!“ Während die Frau zu Hause am Radio verfolgt, wie sich die Lage an der Front immer weiter zuspitzt, erlebt der Soldat den Verlust von Mitgefühl und Moral. Er wird Zeuge, wie Vorgesetzte ihre Macht missbrauchen und aus Familienvätern Täter werden. Am Ende bleibt die Erkenntnis, „dass nur Frieden und Menschlichkeit uns retten können“.
 
Gespielt werden die beiden Hauptrollen von den Schauspielstudenten Felicitas Reinbacher und Daniel Windrich, die beide im zweiten Jahr in Salzburg studieren. Reinbacher, ehemalige Schülerin des Gymnasiums Eltville, und Windrich aus Diez standen bereits gemeinsam unter der Leitung von Iris Limbarth in Wiesbaden auf der Bühne. Für Im Norden von „Bellikö“ probten sie neun Monate lang. „Es ist das Einzige, was ich als Schauspielerin gegen den Wahnsinn eines Krieges tun kann“, erklärt Felicitas Reinbacher ihre Motivation.
Geschrieben wurde das Stück von der freien Journalistin und Autorin Bärbel Nisch, die dafür mit dem ersten Preis des Frankfurter Autorenmarkts 2024 ausgezeichnet wurde. Die Musik stammt von Stefan Reinbacher. Grundlage des Stücks sind Berichte von Kriegsopfern, Journalisten sowie Kriegsbefürwortern wie Gegnern. Ursprünglich sollte das Theaterstück live im Rahmen der Kulturtage am Gymnasium Eltville aufgeführt werden. Da Felicitas Reinbacher jedoch am Vorabend eine Premiere im Schauspielhaus Salzburg hatte, wurde „Bellikö“ kurzfristig in Salzburg aufgenommen, über Nacht geschnitten und als Film im Atrium der Schule gezeigt. Im Anschluss wurden die beiden Darsteller per Videokonferenz zugeschaltet und beantworteten Fragen der Schülerinnen und Schüler zu ihrer Ausbildung und dem Schauspielberuf. „Wir waren bereits seit August vergangenen Jahres im Gespräch“, erklärt Dr. Uwe Hoffmann, Fachbereichsleiter Gesellschaftswissenschaft. „Dass das Thema heute so brandaktuell sein würde, haben wir nicht geahnt.“  Die Kulturtage bieten den Schülern jedes Jahr Raum für besondere Lernerfahrungen. „Über drei Tage haben die Schüler die Möglichkeit, sich in praktischen, sozialen oder sportlichen Themen weiterzubilden. Das Theater gehört dazu“, erläutert die stellvertretende Schulleiterin Dr. Dorlies Zielsdorf. Mit „Im Norden von Bellikö“ ist ein bewegendes Stück entstanden, das ohne drastische Gewaltszenen auskommt und eindringlich für Frieden und Menschlichkeit wirbt. Die Premiere in Eltville soll der Start für weitere Schulaufführungen im Lande sein, so wollen es die Macher.